Lungau 2010
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Bericht von Paul Guschlbauer

paulguschlbauer.at

Letztes Wochenende war es wieder soweit- 33 Stunden auf einer Linie, so schnell und weit wie möglich weg und dann wieder zurück, ein mittlerweile altbekanntes Spiel...Bordairline!
Am Donnerstag Abend zum Briefing in St.Martin angekommen, hätte man zumindest noch einen schimmer Hoffnung haben können, dass das Wetter besser werden könnte, als prophezeiht- es hat nicht geregnet!
Doch die Hoffnung war schnell wieder verflogen, als Freitagfrüh, pünktlich zum Start, der Regen, wie vorhergesagt, los ging. Dementsprechend gering war meine Lust mich aus meinem kuscheligen Busbett zu erheben und loszulaufen.

Bei leichtem Regen und mit einem Sonnenfenster im Rücken habe ich mich dann doch auf gemacht, in Richtung Osten.

Im Wissen, dass es bei diesem Wetter auf jeden einzelnen geflogenen Kilometer ankommen würde, um die 20% Flugstrecke zu erfüllen, habe ich mich gleich auf den nächsten kleinen Berg am Weg begeben, um das 15 Minuten Sonnenfenster das mich inzwischen eingeholt hatte, für einen guten Abgleiter bis kurz vor Tamsweg zu nutzen.

Weiter gings Richtung Gstoder, an dessen Fuss ich ein paar meiner Mitbewerber wieder einholen konnte, die den ersten Flug ausgelassen hatten..

Meine Supporterin (und Freundin...) Sara war wie immer zur Stelle, und ich konnte mich gestärkt und ohne einen Blick auf die Karte werfen zu müssen, (sie hatte den besten Weg bis dahin bereits ausgekundschaftet gehabt) gleich wieder auf den Weg zum 1000hm entfernten Gstoder machen.

Kurz vorm Gipfel bin ich dann noch auf Martin Steinbichler gestossen, mit dem ich mich dann auch sofort ans Starten gemacht habe, um so schnell wie möglich dem zuziehenden Gipfel zu entkommen.

Kaum gelandet, hat es auch schon wieder zu regnen begonnen und der Gipfel des Gstoder war bald komplett in Wolken gehüllt.

Es war nun kurz vor 16 Uhr und eine 11,5 stündige Dauerwanderung, durch teilweise sehr starken Regen und mit nur 2 kurzen Pausen, konnte beginnen.

Nach anschliessenden 2 Stunden Schlaf habe ich mich dann um 6 Uhr Früh, in Begleitung von Sara, auf gemacht, das 2370m hohe Trübeck zu erklimmen, um von dort möglichst weit Richtung Preber zu fliegen. Aufgrund des starken Südwindes hat sich die Suche nach einem geeigneten Startplatz recht schwierig gestaltet, doch zumindest war die Sonne zu sehen und aufgrund der hohen Labilität war auch mit ein bisschen Thermik zu rechnen. Tatsächlich konnte ich einmal ein bisschen aufdrehen und mein Flugziel erreichen. Doch die Uhr ist inzwischen leider nicht stehen geblieben und ich hatte nurmehr 5,5 Stunden Zeit, die ausstehenden 23km (Luftlinie!) bis ins Ziel zurück zu legen.

In der Hoffnung vom Preber noch einmal ein gutes Stück Richtung Ziel zu fliegen, habe ich noch einmal alle Kräfte gesammelt und bin so schnell wie möglich, vorbei an der Grazer Hütte, auf die Ostflanke des Preber gelaufen. Die Basis war gerade dabei zu steigen und der prinzipiell schon starke Südwind wurde durch kräftige Ablösungen noch verstärkt. Also nichts wie in die Luft!

Es ist dann tatsächlich besser gegangen als gedacht und nach ca. 15 geflogegenen Kilometern hat sich auch meine Anspannung, es vielleicht nicht mehr rechtzeitig ins Ziel zu schaffen, gelegt, da ich doch schon fast bis ins Ziel fliegen konnte!

Um 16:15 Uhr konnte ich schliesslich entspannt die Zielglocke läuten!

Im Endeffekt ist es perfekt gelaufen und ich konnte den Bewerb, zusammen mit Sara, als Sieger beenden!

Abschliessende Worte noch zur Organistion: sie wird von Veranstaltung zu Veranstaltung perfekter!

Livetracking, Rahmenprogramm, Moderation, alles super! Ich freu mich schon aufs nächste Mal!

 

Bericht von Heim Robert

Der Extrembergsteiger Mark Twight fasst seine Reise zum Ich und das herantasten an seine körperlichen und mentalen Grenzen in wenigen, sehr prägnanten Worten zusammen:
"Ich leide, also bin ich".

Jeder Bordairliner und Crossalpler fühlt wohl in der einen oder anderen Phase dieser Bewerbsserie Ähnliches, je nach Engagement und Verfassung. Dennoch ist Freude auf diese Weise mit den Elementen zu spielen und manchmal gegen sie zu kämpfen eine Eigenschaft, die allen Teilnehmern gemein ist - und die Freude überwiegt für die Meisten, glaube ich.

Somit brachte die letzte Veranstaltung in St. Martin eine völlig neue Situation für mich. Mein Körper teilte mir schon am Vortag mit: "Ich kann nicht"! Erst wollt ichs nicht glauben, doch meine gewohnte Form war weg, Müdigkeit und grippeähnliche Zustände plagten mich. Nicht gleich, aber bald sagte auch mein Kopf: "Lass es diesmal lieber sein"! Ich reiste gar nicht erst an und resignierte innerlich. Kein gutes Gefühl und eine neue Art von "Leiden" für mich.

Die Faszination dieser Art von Bewerb und die Freude auf den/die nächsten bleiben, haben sich bei mir sogar noch gesteigert.

Ich möchte allen Teilnehmern für die Leistungen unter den doch schwierigen Bedingungen gratulieren - ich freu mich schon auf den Abschluss in Bassano.

Dem Biotech-Team sag ich Danke für die Organisation der Bordairline-Bewerbe, machts weiter so!

Donnerstag, 12.08.2010:

Im Zuge des DFC Lungauer Fliegerfestes (www.dfc-lungau.com) führten wir unseren Bordairline Bewerb in St. Martin im Lungau durch.
Wir freuten uns über Teilnehmer aus 4 Ländern (Schweiz, Deutschland, den Niederlanden und Österreich).
Beim Briefing wurde allerdings schnell klar, dass die folgenden beiden Tage nicht viel fliegbares Wetter bringen würden. Die Überraschung war nicht sehr groß, denn alle Teilnehmer haben sich ja vorab bereits über die Wettersituation informiert.

Bordairline Lungau hatte einiges Neues zu bieten:

  • Livetracking (Familie und Freunde der Teilnehmer konnten die Athleten zu Hause im Internet verfolgen und für das Publikum vor Ort wurde das Livetracking im Zelt übertragen)
  • Moderation (Gary Stütz stellte dem Publikum die einzelnen Athleten vor, hielt sie am Laufenden über den Bewerb und begleitete die Athleten zum Ziel und führte anschließend Interviews mit den Teilnehmern durch)
  • Bordairline-Sheriff (Thomas Krameter war auf der Strecke und überprüfte das Material der Teilnehmer)
  • Film (ein Filmteam von TW1 war während des ganzen Bewerbes vor Ort um die Teilnehmer und das Event zu begleiten – der Bericht für das Magazin Sky and Fly wird im September ausgestrahlt, der Sendetermin wird noch auf der Homepage verlautbart


Freitag, 13.08.2010:

Es begann um 06.00 Uhr zu regnen und es hörte nicht auf bis ca. 10.00 Uhr.
Die tapferen Teilnehmer starteten trotzdem ganz motiviert um 08.00 Uhr bei strömenden Regen. Die Paarhammers (Anton und Georg) und Clemnes van Soest machten sich auf in Richtung Zederhaus und der Rest marschierte Richtung Tamsweg.
Um ca. 10.00 Uhr hörte es für einige Stunden auf zu regnen und einige Teilnehmer konnten diese trockenen Stunden nutzen, um einen Abgleiter zu machen.
Am Nachmittag, um ca. 17.00 Uhr, begann es wieder aus vollen Kübeln zu schütten und dieser Regen begleitete die Athleten durch die halbe Nacht.
Bei der Rückmeldung zwischen 19.00 und 20.00 Uhr wurde schnell klar, dass es ein spannendes Rennen zwischen Paul Guschlbauer und Thomas Hofbauer werden würde. Thomas Hofbauer setzte den weitesten Wendepunkt nach ca. 54 km direkter Linie, aber wird er es am Samstag auch pünktlich ins Ziel schaffen? Weiters mischten auch der Lungauer Hannes Santner und Martin Steinbichler mit.

Samstag, 14.08.2010:

Die Sonne stand am Himmel und der Wind frischte auf; der Vormittag ermöglichte noch Flüge, aber ab Mittag wurde der Wind immer stärker und die Piloten mussten mit und gegen den Wind kämpfen.
Das Fest des DFC Lungau war schon voll im Gange und Gary Stütz, der Moderator des Bordairline Events, informierte das Publikum über die aktuellen Vorgänge.
Im Zelt konnte das Publikum, sowie Freunde und Familie der Athleten, per Livetracking die Routen der Teilnehmer verfolgen.
Um ca. 15.30 Uhr wurde es spannend: vom Westen her näherte sich die „Paarhammer-Gang“ und vom Osten her kam Bruno Jäger, unser Schweizer, nahe. Am Livetracking sah man, dass Bruno Jäger der erste sein wird, der im Ziel eintrifft und er wurde von Gary Stütz und dem Publikum abgeholt und zum Ziel beim Biotech Zelt begleitet, wo er als erster die Kuhglocke läutete.
Die Paarhammers waren die nächsten, die durch den Biotech Zielbogen erschienen, und schön langsam trudelten nach und nach auch Gernot Schmidt,  Jochen Vorderegger mit seinem Tandempassagier Hannes Pflegpeter und Martin Gruber, Stefan Wiebel, Werner Schütz und Martin Szilagyi ins Ziel. Der Local Hannes Santner kam auch nach seiner langen Reise gut gelaunt vor 17.00 ins Ziel und konnte sich über seinen 2. Platz freuen.
Blick aufs Livetracking und unsere Favoriten: Paul Guschlbauer und Thomas Hofbauer waren immer noch weit weg vom Ziel, und auf einmal war Paul in der Luft und kam mit großen Schritten näher. Um 16.15 Uhr läutet der spätere Gewinner die Zielglocke und konnte noch ganz entspannt Interviews geben.
Es war kurz vor 17.00 Uhr und der nächste erwartete Teilnehmer war Martin Steinbichler, aber leider waren es 10 Minuten, die ihn vom Heimkehrerbonus trennten.
Leider konnten außer ihm auch Thomas Hofbauer (der den dritten Platz holte), Gerald Gold, Clemens van Soest, Christian Grohs und Klaus Santner, Andreas Reisinger und Leo Dickinger nicht vor 17.00 Uhr die Zielglocke läuten.

Danach ging’s ab zum rauschenden Fest des DFC Lungau, wo bis in die Morgenstunden gefeiert wurde! Es war erstaunlich, wie fit sich die Teilnehmer noch in der Disco fühlten!
Es war insgesamt ein tolles Event mit wieder ausgezeichneten Leistungen und einem lustigen, feucht-fröhlichem Abschluss und wir freuen uns schon, wenn wir wieder einmal zu Gast beim DFC Lungau sein dürfen!

 

Bericht von Bruno Jäger

Für ein paar Minuten ein Star
Nach mehr oder weniger intensiven Vorbereitungen sind Steff und ich am Donnerstagmorgen mit dem Auto nach St. Michel im Lungau ans Bordairline gefahren.
Wir kamen pünktlich zum Einschreiben und bezogen auch gleich unser Zimmer. Jetzt ging‘s ans Briefing. Dabei habe ich schon mal den einen oder andere Mit Abenteurer kennengelernt. Von der Organisatorin Petra wurden noch mal alle Spielregeln bekanntgegeben. Eine davon war ein 20%tiger Zuschlag zu der erreichten Strecke, wenn man bis 17.00Uhr wieder zurück ist. Was natürlich ganz nach meinem Geschmack war. ;-) (Vielen Dank an Biotech für den Apèretive)
Am Freitagmorgen war bereits um 6.30Uhr frühstücken angesagt, denn um 7.30Uhr war Logger Ausgabe. GPS und den Livetracker der ab Samstag in Betrieb sein wird. So um die zehnvoracht stieg die Anspannung. Unser lokaler Wettervogel versprach uns dann nicht all zu viel und wir starteten punkt 8Uhr bei strömendem Regen. Ja und weil einfach alle davonrannten ging ich auch gleich mit. Kein maulen und rumgemeckerte wegen des Regens. Irgendwie noch ganz lustig was an einem Wettkampf einfach gemacht wird was man sich sonst nie Vorstellen würde.
Auf den ersten paar Kilometer erkundigte ich mich natürlich fleissig über das Gelände und die Region, wie es so zum Fliegen ist und wo die besten Strecken geflogen werden. (Trotz strömendem Regen ;-) ) Der eine oder andere war da für mich schon ganz schön schnell unterwegs und so liess ich die einfach gehen. Nach etwa einer Stunde habe ich Gerold Gold getroffen. Wir hatten etwa das gleiche Tempo und in etwa das gleiche Ziel. So wanderten wir ein zwei Stunden bis die Sonne ein wenig durch die Wolkenlücke schaute. Unsere Wege trennten sich dann für kurze Zeit, da wir einen andere Wartepunkt mit unseren Supportern ausmachten. Nachdem ich die Pelerine und die Gore-Tex Schuhe in kurze Hose und Laufschuhe umgetauscht habe, trafen wir wieder aufeinander. Gerold hatte schon einen Startplatz ausfindig gemacht. Die Idee fand ich gut. Er schaute nochmal kurz auf der Karte und ich sprach einen Passanten an: „ Wo denn der Weg sei ?“ Er war so nett und zeigte uns sogar eine wirklich gute Abkürzung. Vielen Dank. Wir marschierten weiter. Unterdessen war die Sonne so richtig kräftig am heizen. Neben den hohen Regenwolken kamen jetzt auch noch diese Tiefen dazu. Unser Ziel blieb aber das gleiche.
Am Fusse des Berges hat sich die Sonne leider wieder verkrochen und wir rätselten ob wir wirklich hoch gehen sollen. Ein Blick auf die Karte verriet uns einen Weg auf den Berg der, wenn es nicht fliegbar sein sollte, uns wieder auf direktestem Weg hinunterbringt.
Oben bei der Grazz-Hütte angekommen trafen wir noch auf zwei andere Bordairliner. Da es unterdessen schon Mittag um 3Uhr war und die Sicht gleich null, tranken und assen wir eine Kleinigkeit und verrieten uns unsere Pläne. Nur ich hatte bis dahin noch nicht wirklich einen… Jeder von denen hatte einen Berg oder ein Ort als Ziel. Ich orientierte mich eher an der Tageszeit und meiner Körperlichen Verfassung.
Jetzt hiess es für alle den Abstieg wieder zu fuss in Angriff zu nehmen. Aber auch ein Abstieg kann auf ganz unterschiedliche Art und Weise durchgeführt werden. So trennten sich all unsere Wege und ich war ab jetzt ganz allein unterwegs, was natürlich nicht unbedingt spannend ist. Also telefonierte ich mal in die Schweiz. Eigentlich hatte ich riesen Spass nur meiner Prepay Karte nicht so.  Es reichte dann gerade noch Seff mitzuteilen, dass er mir noch ein wenig Guthaben kaufen soll. Ich konnte nicht mehr diskutieren und gleichzeitig fing es dann auch wieder zu regnen an. So ziemlich wieder wie aus Kübel. Was auch noch dazu kam, ich bin irgendwie vom richtigen Weg abgekommen und stand plötzlich in der Pampa. „Was solls!!!“, dachte ich mir, „ich kenne ja die Himmelsrichtung und gehe einfach mal gerade aus.“ Ja das führte mich durch sehr dicken Wald plötzlich an einen Fluss. Erst wollte ich auch da gerade durch bis mir diese Regel, dass wir keine Flüsse durchqueren dürfen, in den Sinn kam. Also suchte ich mir eine Brücke. Diese Führte mich wieder auf die Hauptstrasse und so hat das geradeauswandern wieder begonnen.
Nach weiteren 2h traf ich dann endlich wieder einmal au Steff der mich mit Guthaben, trockenen Klamotten und Verpflegung versorgte. Und wieder wanderte ich einfach weiter. Auf der Karte noch eine Abkürzung gefunden diese unter die Füsse genommen, einen Abzweiger verpasst und plötzlich stand ich bei einem startmöglichen Platz. Ich musste noch den Bauern, welcher gerade eine Scheune am bauen war, nach dem Ort Schöder fragen. Er Zeigte mir den Weg und meinte, es werde dann aber plötzlich sehr steil…….. 
Vor dem Start habe ich noch Steff Bescheid gesagt und bin losgeflogen. Und es ergab sich mal wieder herrlich. Obwohl wir voneinander nicht wussten wo wir sind, bin ich gerade auf ihn zugeflogen. Der Gegenwind hielt mich dann aber davon ab bis ganz zum Steff zu fliegen. Im Gegensatz zur Startwiese war die Landewiese überhaupt nicht trocken und mein Schirm nass. 
Beim Steff angekommen ist er auch schon am Kochen. Ich freue mich riesig über die Spagetti und das Fleisch. Steff hatte super gekocht doch konnte ich nur ganz wenig essen. Danach musste ich mich mal für eine Stunde hinlegen. Ich wollte einfach nur eine grössere Pause. Doch nach einem Versuch wieder aufzustehen musste ich wieder in meinen Schlafsack. Ich versuchte erst mal zu schlafen. Aber auch das ist nach 12h wandern gar nicht so einfach. Der Körper ist so was von hochgedreht, dass es schwierig ist ganz zur Ruhe zu kommen. Aus dem Schlaf wurden dann etwa 4h Dösen.
So um Mitternacht musste mich Stefan dann ein bischen zum Auto rausloken oder jagen oder so…. Draussen immer noch Regen. Wir besprachen noch die Taktik für den kommenden Tag. Auch das war nicht so einfach. Der Tag versprach eigentlich etwas zu fliegen aber niemand hatte gewusst wie viel und ob überhaupt. Ich war eher skeptisch vor allem wegen der sicherlichen sehr hohen Restfeuchtigkeit. Wir entschlossen uns dann umzudrehen, dass wir auch im dümmsten Fall noch eine Chance habe zurück zu kommen. Wieder einmal mehr hiess es für mich loszuwandern. Statt links gehe ich einfach noch ein paar Schritte nach Rechts um dort den Wendepunkt zu setzten. Ab jetzt spürte ich irgendwie eine kleine Erleichterung auf dem Heimweg zu sein. Und gleich beim Loslaufen empfingen mich 2parallele Sternschnuppen. Herrlicher Start.
Mit vielen Sternschnuppen ging es dann weiter. Aber trotz des super schönen Nachthimmels wurde es mir bald schon wieder zu eintönig. Als erstes hielt ich die Augen offen für eine Bar oder was in der Sorte. Aber entweder war ich überall zu spät oder es hatte wirklich nichts offen. Alles war wie ausgestorben. Also musste halt meine Prepay Karte wieder mal dran glauben.
Um halb fünf in der Früh erreichte ich den Fuss zur Grazz-Hütte. Steffan brachte mir mein Bett und so konnte ich mal knapp 1,5h richtig schlafen. Nach kurzem Frühstück, der Appetit war nicht unbedingt grösser, erklomm ich den 2200m hohen Brewer. Oben angekommen erwartete mich Stefan und eine super Schöne Aussicht mit mehreren Wolkenschichten. Herrlich. Ich wanderte noch einmal fast eine Stunde bis zu meinem Starplatz. Ich knipste noch ein Handyfoto von der schönen Landschaft. Und schwups war ich Leitkuh. Die Kühe von der ganzen Weide kamen ganz nahe Besucht. Jetzt waren meine Wanderstöcke nicht nur mehr Wanderstöcke. ;-)
Ich musste ein wenig Gas geben, wenn ich nur mit dem Schirm und nicht noch mit einer Kuh runter ins Tal fliegen wollte. Zum Glück habe ich auch das ein wenig trainiert. Der Wind war perfekt zum Starten, nur leider musste ich auch in diese richtung fliegen. Nach etwa 20 min stand ich dann wieder im Gras. Auch das war noch ganz nass. Zum Guten hat mich dann Stefan bald wieder mit frischen Socken ausgerüstet.
Eigentlich dachte ich ab jetzt den Rest noch zu wandern. Auf der Strecke richtung Mittelberg, schloss Martin zu mir auf. Er eher schnell ich eher gemütlich. Ich konnte nicht mehr sehr schnell. Wir unterhielten uns eine ganze Weile bis er mich dann wieder selber vorwärts „kriechen“ lies. Unser Ziel war auch das Selbe, Mittelberg. Plötzlich hält ein Biotechfahrzeug vor mir an. Der Sherif. Er kontrollierte meine Ausrüstung. Einfach schnell das Gewicht ausgetestet und gut war es. Ich konnte mit Verdacht weiterlaufen.
Aus noch nicht ganz geklärten Gründen war ich dann aber schneller auf dem Mittelberg als Martin. Wahrscheinlich hatte ich eine gute Route erwischt. Mich erwartete herrlichen Aufwind. Schnell auslegen und ab in die Luft. Endlich konnte ich Thermikfliegen. So kurz vor Schluss des Rennens. Es war eine richtige Genugtuung. Wirklich schön. Etwa eine halbe Stunde und einige Kilometer weiter standen wir (Paul, ich) dann aber gewaltig im Gegenwind und es blieb uns nur noch zu landen. Die letzte Stunde musste ich dann nochmals zu Fuss gehen. Aber nicht so schlimm. Bin ja schon 27h zu Fuss unterwegs.
Kurz vor dem Zieleinlauf hat mich Steff eingefangen und mich gebrieft was mich erwarten wird. Der Empfang war super. Alle Leute sind extra von den Bänken aufgestanden und klatschten. Eine Fernsehkamera und diverse Fotolinsen fingen meine Ankunft ein. Ich ging wie die Radrennfahrer durch die „Menge“ zur Ankunftsglocke. Ein extrem erleichterndes Gefühl durchströmte mich. Getragen vom Applaus versuchte ich einigermassen richtig auf die Fragen des Speakers zu antworten. Er meinte, ich sähe recht fit aus. Ja ist auch so, fühle mich eigentlich noch ganz gut, nur meine Füsse überhaupt nicht mehr, war meine Antwort. Ich durfte dann noch einmal die Glocke läuten und endlich aus den Schuhen raus.
Ich war jetzt im Ziel. Jeep. Der Hammer.
Es gratulierten mir viele Leute die mich einfach gesehen haben als erster einzulaufen. Das alles liessen die Strapazen der vergangenen 33h ziemlich schnell vergessen. Ich genoss es ein „Bizeli“ ;-)

Ja so assen und tranken wir bis zur Siegerehrung und besprachen mit den anderen Piloten wie sie das ganze erlebt haben. Die Siegerehrung hat wie immer hinten begonnen. So bei Platz 8,9 und zurückgelegten Wanderstrecken über 80km dachte ich die haben mich vergessen. Weil aber viele dieser Läufer nicht rechtzeitig zurück waren, reichten mir 57,56km Wandern und 23,35km Fliegen aus für den vierten Platz.
33h die die mir in guter Erinnerung bleiben werden. Vor allem der Empfang…

 

Bericht von Klaus Santner

Einladend sah das Wetter nicht gerade aus, als wir am Start standen. Leichter Regen, in Nebel gehüllte Startplätze in der Umgebung, doch ich fühlte mich ohne Druck: Der Lungau ist meine Heimat, so könnte ich auch „nach Hause“ gehen und den Rest des Tages gemütlich vorm Fernseher verbringen. Ich hatte den in mir schlummernden Ehrgeiz unterschätzt. Und ich bin sehr froh darüber – schließlich hatte ich so eine der eindruckvollsten Selbsterfahrungen in meinem Leben.

Angekommen in meinem Heimatort Unternberg kostete es uns nur ein kurzes Lachen hier an den Fernseher zu denken. Längst blickte ich mit meinem Begleiter Hannes Santner zum Startplatz am Mitterberg und die zweifelhaften Nebelschwaden, die ihn umgaben. Hier wendete sich aber alles zum Guten, ein effizienter Gleitflug brachte uns dem Tamsweger Hausberg, dem Preber, beträchtlich näher. Auch Paul war kurz mit uns unterwegs, entschied sich aber in Tamsweg für die Schlechtwetterroute über Sauerfeld. Nachträglich wohl die bessere Wahl, wenn wir geahnt hätten welche Wolkenwand uns am Preber erwarten würde. An Fliegen war nicht zu denken, so haben auch wir die Grazer Hütte aufgesucht und uns eine Kaspressknedlsuppn gegönnt. Das mangelnde Training in den Wochen davor blieb nicht ohne Folgen: Schon zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir das Weitergehen ohne Stöcke nicht mehr vorstellen, meine Schenkel zeigten erste Ermüdungserscheinungen. Ein kurzer Gleitflug erleichterte uns wenigstens die letzten 200 Höhenmeter, der Rest des Abstiegs von der Grazer Hütte aber – wie so oft - mit meiner Ausrüstung am Rücken. Im Krakautal angekommen, begann es wieder leicht zu regnen. Uns war klar was auf uns zukam: Der Rest des Tages wird wohl ebenso  - wie so oft – mit der Ausrüstung am Rücken ablaufen. Hannes und ich beschlossen den restlichen Fussmarsch gemeinsam zurückzulegen mit dem bekannten Flugberg Greim als Ziel. Für Hannes, gut vorbereitet auf die Anstrengungen, ein recht konservativer Wendepunkt. Für mich die absolute Bordairline.

Die Füße begannen zu schmerzen, die Oberschenkel brannten und irgendwann bewegte ich mich mehr mit Händen als mit Füßen. Erst dann begannen wir den Aufstieg auf den Greim in strömendem Regen. Die Sinnlosigkeit dieses Bewerbs kam mir in diesem Moment unermesslich vor. Durch  einige Portionen Sarkasmus konnten wir uns aber recht gut bei Laune halten. Nach gefühlten 100 Stunden Marsch durch den Regen sahen wir endlich die Taschenlampe unserer großartigen Supporter, Krista und Klaus. Bevor ich für ein paar Stunden ins Bett fiel, liess ich den anstrengenden Tag nochmal Revue passieren. Beim Gedanken an das Erlebte und an die zurückgelegte Strecke wurde mir leicht schwindlig: Das alles an einem einzigen Tag? Und das soll jetzt erst Halbzeit sein?

Der nächste Tag begann so, wie der erste endete: Finster und schmerzvoll. Erst nach den ersten hundert Höhenmetern gings besser, immerhin lagen 80% der Belastung wieder auf meinen Stöcken! Erst am Gipfel zeigte sich die Natur von ihrer schönsten Seite und belohnte uns mit einem einmaligen Sonnenaufgang.  Die dichte Nebeldecke im Tal zwang uns dazu, die Sonnenstrahlen länger zu genießen als uns lieb war. Es dauerte bis zum späten Vormittag, bis ein Start möglich war und die Wanderung  fortgesetzt werden konnte. Hier trennten sich die Wege von Hannes und mir, sein bemerkenswerter Sprint zurück sollte ihm ein paar Stunden später den 2. Platz einbringen. Ich dagegen musste mich bemühen um die Belastung noch besser auf meine Stöcke zu verlagern. Der brennende Schmerz entwickelte sich zu einem stechenden Schmerz, langsam wunderte ich mich dass ich überhaupt noch gehen konnte. Nun nur noch die Hürde auf den Preber. In startbarem Gelände angekommen schwanden aber meine Hoffnungen den Bewerb noch im Ziel zu beenden. Großflächige Abschattungen verhinderten mittlerweile jede Thermik, die Hoffnung auf meine Stärken und einen guten Streckenflug war verloren. Ein weiterer Gleitflug brachte mich immerhin nach Wölting.

Hier stand ich also, zu wenig Zeit um ins Ziel zu kommen, zu wenig Energie um auch nur noch einen Fuß vor den anderen zu setzen. Für mich war klar, der Bewerb ist für mich zu Ende. Doch dann machte sich eine Entspannung in mir breit, die ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht kannte. Zwei ganz liebe Menschen reichten mir Bier und Tschick und die restliche Energie reichte am Abend noch für mehrere Stunden Fliegerparty.

Ich brauchte noch lange, um die Erlebnisse zu verarbeiten, doch mir war klar: Das war nicht mein letzter Bordairline – Bewerb – und der nächste endet im Ziel!

Danke Krista und Ötzi, ihr seid die besten Supporter der Welt!